Nettes, Nachdenkliches und Informatives aus dem Corgi-LebenDer Weg zur AnkörungLang schon habe ich versprochen, das genaue Prozedere der Ankörung und des Zwingerschutzes zusammenzustellen. Gar nicht so einfach, denn die Bestimmungen sind in diversen Ordnungen verteilt und können sich nach Präsidiumsbeschlüssen auch mal ändern. Aktuell findet man alles auf der Homepage www.cfbrh.de Gleich vorneweg möchte ich darauf hinweisen, daß die Angelegenheit nicht ganz billig ist und daß die ganze Prozedur geraume Zeit in Anspruch nimmt. Wer mit dem Gedanken spielt, mit seiner Hündin züchten zu wollen, sollte sich schleunigst an die Erfüllung der Voraussetzungen machen, sonst ist aus dem Junghund eine Seniorin geworden, bis man alles beisammen hat... Und werfen Sie gleich alle eventuellen Träume über Bord, Sie könnten mit Ihrem vielgenutzten Deckrüden Kohle scheffeln. Corgis sind so selten, dementsprechend werden auch die besten Rüden nur einige wenige Deckakte erledigen dürfen. Es kann gut sein, daß niemand sich für Ihren Buben interessiert - da ist schon eine gehörige Portion Idealismus dabei. Wenn Sie Ihren Hund nicht immer wieder zeigen, wird auch niemand auf seine Qualitäten aufmerksam. Für Züchter gilt mindestens das Gleiche: hohe Kosten, viel Arbeit, kein sicherer Lohn. Aber ohne solche Idealisten gäbe es keine Corgis! Grundsätzlich ist es für Corgibesitzer mit Ambitionen sinnvoll, Mitglied im Club für Britische Hütehunde (CfBrH) zu werden. Auch wenn es theoretisch ohne diese Mitgliedschaft geht, fallen deutlich höhere Kosten an. Zudem bietet der CfBrH natürlich auch die Infrastruktur mit Zuchtwarten, Ausstellungen und Rassebetreuern und sollte deshalb unterstützt werden. Als Mitglied erhalten Sie auf jeden Fall alle zwei Monate den "Club-Report" (CR), zusätzlich können Sie auch noch die Monatszeitschrift "Unser Rassehund" (UR) beziehen. Mitgliedschaft beantragt man direkt beim Vorsitzenden der Landesgruppe (LG), in der man Mitglied werden möchte. Es empfiehlt sich dabei, die geographisch günstigste LG zu wählen, denn bei späteren Zuchtwartbesuchen zahlt man Kilometergeld. Die Aufnahmegebühr beträgt einmalig 15 €, der Jahresbeitrag 40 €, mit "UR" 58 €. Die Mindestvoraussetzungen zur Zuchtzulassung kurz und knapp: (1) Eintragung in ein vom VDH anerkanntes Zuchtbuch (das setze ich als gegeben voraus) (2) HD-Auswertung (3) Zwei Ausstellungsbewertungen (4) für Cardigans: Untersuchung auf PRA-Freiheit Zu (2): Ihr Hund muß mindestens 12 Monate alt sein für diese Untersuchung, bessere Ergebnisse erzielt man im Alter von 18 Monaten. Erst dann sind die Knochen voll mineralisiert und deutlich auf dem Röntgenbild zu beurteilen. Sie sollten einen Auswertungsbogen anfordern, bevor Sie einen Röntgen-Termin mit einem Tierarzt vereinbaren. Bitte senden Sie hierzu eine Kopie der Ahnentafel Ihres Hundes und eine Kopie des Einzahlungsbeleges für die Auswertungsgebühr (€ 33,00 für Mitglieder und Nichtmitglieder) an die Zuchtbuchstelle des CfBrH. Von dort wird Ihnen der persönliche Röntgenbefundbogen für genau den beantragten Hund zugeschickt. Mit Ihrer Unterschrift erklären Sie sich damit einverstanden, daß das HD-Ergebnis veröffentlicht wird. Es bringt für die Zuchtzulassung übrigens nichts, wenn Sie Ihren Hund "privat", also nicht offiziell röntgen lassen und nur der Tierarzt Ihnen seinen Befund mitteilt. Der Tierarzt Ihres Vertrauens sollte Erfahrung haben mit dem HD-Röntgen. Schief gelagerte oder sonst technisch schlechte Bilder sind wertlos. Mit Hund, Ahnentafel und Auswertungsbogen treten Sie zum Röntgen an. Der Hund erhält eine Sedierung, da er völlig entspannt sein muß für die Aufnahmen. Diese Sedierung ist aber nicht tief, der Hund sollte auf eigenen Beinen wieder aus der Praxis gehen können. Die Tierarztkosten gehen natürlich auch auf Ihr Konto. Die Auswertung kann durchaus einige Wochen oder gar wenige Monate dauern. Sie bekommen die Ahnentafel mit dem eingetragenen HD-Ergebnis zugeschickt. Corgis dürfen mit den HD-Graden A, B und C zur Zucht zugelassen werden. Zu (3): Für die einfache Zuchtzulassung (= Körklasse II) benötigt Ihr Hund zwei Bewertungen von zwei verschiedenen Richtern mindestens mit der Note "sehr gut". Für die Körklasse I muß es zweimal "vorzüglich" sein. Dementsprechend muß der Hund mindestens in der Jugendklasse (ab 9 Monaten) ausgestellt werden, denn in der Jüngstenklasse gibt es nur "(viel-)versprechend". Wann wo welche Ausstellung stattfindet, finden Sie natürlich auch auf der Homepage des Clubs sowie im Club-Report. Zu (4): Cardigans müssen auf PRA (progressive Retina-Atrophie, eine Erbkrankheit, die zu Erblindung führt) untersucht sein. Sinnvoll ist hier der (altersunabhängige) Gentest, denn dabei zeigen sich auch Hunde, die zwar selber gesund erscheinen, die Anlage aber weiter vererben können, sog. "Carrier". Ihr Zuchteinsatz ist durchaus möglich, nur dürfen sie nicht mit einem anderen "Carrier" verpaart werden, um betroffenen Nachwuchs sicher auszuschließen. Eine generelle Untersuchung auf diverse vererbliche Augenerkrankungen ist für Pembrokes und Cardigans Voraussetzung für die Einstufung in Körklasse I, ist aber nicht nötig für Körklasse II. Diese Augenuntersuchung wird auf vielen CACIB-Schauen angeboten. Für die Körklasse I muß der Hund außerdem vollzahnig sein und einen korrekten Gebissschluss aufweisen. Wenn Sie nun alle diese Hürden genommen haben, können Sie zur Ankörung schreiten. Die kann nur ein Spezialrichter des CfBrH vornehmen. Meist erfolgt die Körung im Anschluss an die zweite notwendige Beurteilung des Hundes auf einer Schau. Erkundigen Sie sich vor der Meldung, ob auch Körungen möglich sind. Sie zahlen 45 € (Nichtmitglieder das Dreifache) an den körenden Richter, legen Original-Ahnentafel, HD-Auswertungsergebnis, ggf. den Nachweis der Augenuntersuchung sowie mindestens zwei Ausstellungsbewertungen vor. Der Hund wird gemessen, evtl. noch einmal die Zähne kontrolliert. Sämtliche Unterlagen werden vom Zuchtrichter an die Zuchtbuchstelle zur Eintragung gesandt, die diese nach Eintrag an den Eigentümer zurückschickt. Geschafft! Wenn Sie allerdings mit Ihrer Hündin züchten möchten, ist das nur die halbe Miete. Denn da ist auch Ihr Part gefragt. Mehr darüber im Beitrag Wie man Züchter im CfBrH wird Text: ARo 2008 (2010) |