Rasseportrait Welsh Corgi Cardigan





Welsh Corgi Cardigan, blue merle with tan
Welsh Corgi Cardigan, blue merle with tan
Klassifikation: FCI-Gruppe 1 (Hüte- und Treibhunde) Ursprung: Großbritannien, Wales
Verwendung: heute Familienhund
Farben: rot-weiß, zobel, tricolour, brindle, blue merle
Charakter: wachsam, ausgeglichen
Größe: 30 cm, Gewicht: 13-20 kg


Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen über den Corgi datieren bereits etwa aus dem Jahre 920 n. Chr. Damals erließ der englische Herzog Howell the Good ein Gesetz, in dem es sinngemäß hieß:

"Wer einen Corgi stiehlt odert tötet, wird schwer bestraft."

Sein Wert glich dem eines Stieres.
Daraus kann man erkennen, dass der Corgi damals ein unersetzlicher, wertvoller Helfer und Arbeitshund der Bauern in Wales gewesen ist.


Der Ursprung  – Entstehungstheorien –

Natürlich gab es den Corgi schon längst bevor er erstmals schriftlich erwähnt wurde, es gibt dazu verschiedene Theorien.
Bereits lange in der Zeitrechnung, etwa 1200 v. Chr., sollen Hunde dieser Art mit den kurzen Beinen von den Kelten mit nach Wales gebracht worden sein, man bezieht sich dabei unter anderem auf die Ähnlichkeit mit dem belgischen Schipperke .

brindle
Cardigan, brindle
Nach anderen Meinungen sind diese Hunde mit den Invasionen der Wikinger nach Wales gelangt, oder auch umgekehrt heißt es, von den Wikingern wurden diese kurzbeinigen Hunde mit zurück nach Schweden genommen.

Diese Theorie wird auf die große Ähnlichkeit mit dem schwedischen Västgötaspets gestützt.

Beide dieser Rassen – Schipperke u. Västgötaspets - werden auch noch heute, genau wie der ebenfalls nahe verwandte Pembroke Welsh Corgi, gelegentlich mit genetisch bedingter Kurzrute gesund geboren, was auf eine enge Verwandtschaft hindeutet.

Den Cardigan Welsh Corgi gibt es allerdings niemals mit angeborener Kurzrute.
Wahrscheinlich haben bei seiner Entstehung auch mehr die alten walisischen Schäferhundrassen, wie z.B. die Vorfahren des Welsh Collie u.ä., eine Rolle gespielt, woraus sich auch die Farbenvielfalt der Cardigans erklären ließe.

Auch eine Verwandtschaft zum Lancashire Heeler, einem ebenfalls kurzbeinigen Treibhund aus der Grafschaft Lancashire nördlich von Cardiganshire, ist offensichtlich. Beim Lancashire Heeler handelt es sich jedoch nicht um eine heute von der FCI anerkannte Rasse.



Frühe Aufgaben und Einsatzgebiete

von links blue merle with tan - tricolour - brindle pointed tricolour
blue merle with tan - tricolour - brindle pointed tricolour
In frühen Zeiten wurde der Corgi von den Bauern in Wales in Groß Britannien als Arbeits- und Hofhund sehr geschätzt und benötigt.

Neben seinen Aufgaben als allseits einsatzbereiter Helfer und Bewacher des Hofes war er „hauptberuflich“ mit dem Treiben der Rinder auf die Weiden und zurück in den Stall und auch zu den oft weit entfernten Viehmärkten beschäftigt, was meist von einer kleineren Gruppe Corgis bewerkstelligt wurde.

Um das Großvieh in die erwünschten Bahnen zu lenken, wurden sie von den Corgis in die Fesseln gebissen und so in Bewegung gebracht.

Fremde Tiere mussten energisch von den eigenen Weiden ferngehalten werden.

Diese selbstständige, resolute Arbeitsweise ist typisch für einen Treibhund bzw. Heeler und unterscheidet die Corgis von Hütehunden, die zum Hüten von Schafen eingesetzt werden.

So dürfte z.B. ein Border Collie seine Schafe beim Hüten niemals beißen, ein Corgi muss jedoch selbst entscheiden, wie er das Großvieh dazu bringt, das Gewünschte zu tun.


Die Corgis  – der Cardigan und der Pembroke -

Bis jetzt reden wir einfach nur von „dem Corgi“.
Im Norden von Wales in der Grafschaft Cardiganshire war der Corgi insgesamt etwas größer, schwerer im Knochenbau und länger im Körperbau und hatte immer eine lange Rute.

Der Corgi in der südwestwalisischen Grafschaft Pembrokeshire war etwas kleiner, kürzer im Gebäude und es gab ihn auch mit angeborener Kurzrute.

darkbrindle
Cardigan, darkbrindle
Cardiganshire und Pembrokeshire sind geographisch durch das Cambrian-Gebirge voneinander getrennt, so dass sich diese zwei verschiedenen Corgi-Rassen, nämlich der Welsh Corgi Cardigan und der Welsh Corgi Pembroke, entwickelten, obwohl sie die gleichen Aufgaben und viele Ähnlichkeiten im Exterieur hatten.

Wir wollen uns hier mit dem Welsh Corgi Cardigan, kurz Cardigan genannt, befassen.

„Diese kleinen Hunde treiben große Rinder?“ wird sich manch einer sicherlich wundern.
Bedenken sollte man dabei, dass die Rinder und anderes Großvieh in früheren Zeiten nicht die heutige Masse und Größe hatten.
Und sieht man genau hin, ist der Cardigan gar nicht so ein kleiner Hund.

Die Beine sind eben kurz, schlägt ein Rind aus, hat es der wendige Cardigan nicht so weit, bis er am Boden geduckt ist und dem Huf so ausweicht.
Das Gewicht eines Cardigans liegt etwa zwischen 12 kg bei einer kleineren Hündin und bis zu ca. 20 kg bei einem Rüden.
Die großen, aufrecht stehenden Ohren tragen das ihre dazu bei, um den Hund imposant und nicht so klein wirken zu lassen und das zu treibende Vieh zu beeindrucken.
Auch die Kraft, die ein Cardigan einsetzen kann, ist nicht zu unterschätzen.

Für die Bauern in Cardiganshire war der Cardigan Corgi also eine unschätzbare Hilfe, genau wie es der nahe verwandte Pembroke Corgi für die Bauern aus der Provinz Pembrokshire war.


Anfänge der dokumentierten Zucht

Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts änderten sich die Zeiten, es gab mehr Zäune und Maschinen und weniger Arbeit für die Hunde.

Die Zucht der Rassehunde allgemein schlug eine andere Richtung ein.
Engagierte Züchter und Liebhaber der Hunde schlossen sich zusammen, es wurden Rassestandards erstellt und es wurde beliebter, die Hunde auf Ausstellungen zu zeigen.
tricolour und brindle pointed tricolour
tricolour und brindle pointed tricolour

Im Mai 1926 gründeten in Groß Britannien zehn Personen zur Wiedererweckung der Zucht des alten Typs des Cardigan Corgi den ersten Cardigan Corgi Club, der heute immer noch existiert und bekannt ist als die „Cardigan Welsh Corgi Association“.

Dabei wurden die beiden Corgi-Rassen – Cardigan und Pembroke - durch den Kennel Club in Groß Britannien zuerst im Jahre 1925 gemeinsam als Welsh Corgis zusammengefasst und auch in der Zucht gelegentlich nicht voneinander getrennt.

Es wurde einfach von Fall zu Fall je nach Typ des Hundes entschieden, ob es sich um einen Cardigan oder einen Pembroke handelte.

Dies änderte sich im Jahr 1934, Welsh Corgi Cardigan und Welsh Corgi Pembroke sind seitdem vom Kennel Club in Groß Britannien als zwei Rassen eingetragen, eine Vermischung hat nicht mehr stattgefunden.
Für den Cardigan ist der FCI-Standard Nr. 38 gültig, beim Pembroke ist es der FCI-Standard-Nr. 39. Es handelt sich also tatsächlich um zwei Rassen, die Bezeichnung Varietäten ist falsch.

Während die Zucht des Pembrokes durch den Einzug dieser Hunde in den 1930er Jahren ins englische Königshaus florierte, gab es leider immer weniger Züchter, die sich der Zucht der Cardigans annahmen.
Auch heute noch, selbst in seinem Heimatland Groß Britannien, werden nur wenige Cardigans gezüchtet.

vorne brindle pointed tricolour, hinten tricolour
vorne brindle pointed tricolour, hinten tricolour
Bei uns in Deutschland gibt es den Cardigan seit 1974, die ersten importierten Cardigans aus Groß Britannien und den Niederlanden wurden damals in das Zuchtbuch des Clubs für Brit. Hütehunde (VDH) eingetragen.

Die Zucht unterliegt den Regeln der Zuchtordnung des Clubs f. Brit. Hütehunde.
Die Züchter der ersten Cardigan-Würfe in Deutschland hatten noch große Probleme, geeignete Abnehmer für ihre Welpen zu finden.

Auch in unserem jetzigen Jahrhundert werden nur wenige Cardigan-Würfe pro Jahr in Deutschland gezüchtet.
Allerdings hat sich die Nachfrage gebessert, problematisch ist dabei nur, dass viele Menschen nicht warten möchten, und bei wenigen Würfen jährlich sind nicht jederzeit Welpen zu bekommen.

Auch ist es für die Züchter nicht einfach, bei dieser kleinen Population immer die geeigneten Deckpartner zu finden, aber es besteht ein reger Kontakt ins benachbarte Ausland.

Insbesondere in den Niederlanden und in Dänemark sind doch wesentlich mehr Cardigans anzutreffen als bei uns, und dank der gelockerten Quarantänebestimmungen ist auch eine Reise nach Groß Britannien möglich.


Die Farben des Cardigans

Interessant für den Liebhaber des Cardigans ist die Vielfalt der Farben in dieser Rasse.
So gibt es die Cardigans in rot, was alle Varianten von einem blassen Gelb bis hin zu einem kräftig, satten Rot beinhaltet.
Diese Farbtöne gibt es ebenso bei den sable- bzw. zobelfarbenen Cardigans, bei denen durch die schwarzen Haarspitzen eine besonders schöne Maske im Gesicht entsteht.
Die gestromte Farbe der Cardigans, die ebenfalls von hell bis sehr dunkel gestromt vorkommt, nennt man Brindle.

verschiedene brindle-Töne
verschiedene brindle-Töne beim Cardigan
Die tricolour-farbenen Cardigans gibt es dann noch unterschiedlich jeweils mit den vorgenannten roten oder brindle Abzeichen im Gesicht und an den Beinen, genauer also Red-pointed-tricolour oder Brindle-pointed-tricolour, und fast ohne Abzeichen sind sie dann beinahe schwarz-weiß.

Und auch das beliebte blue merle findet man beim Cardigan, wobei auch hier die Abzeichen im Gesicht in brindle oder rot oder auch gar nicht auftreten.

In das Zuchtbuch des Clubs f. Brit. Hütehunde werden all diese Farben nicht so differenziert eingetragen, es wird dort lediglich zwischen rot-weiß, zobel, tricolour, brindle oder blue merle unterschieden, was für die Zucht auch ausreicht.

So heißt es im Standard bei den Farben: „jede Farbe“.
Dabei ist jedoch zu beachten, dass im Standard gleichzeitig auch ein schwarzer Nasenspiegel gefordert wird.
So gibt es also letztendlich doch nicht jede Farbe, denn z.B. leberfarben oder red merle, verbunden mit einem braunen Nasenspiegel, wären nicht erlaubte Fehlfarben.

Alle Farben weisen meistens die typischen weißen Abzeichen auf, die mehr oder weniger vorhanden sein können, z. B. weiße Blesse, ganz oder teilweise weißer Halskragen, weiße Brust/Bauch, Läufe und Pfoten und Rutenspitze. Weiß darf jedoch nicht vorherrschen.


Das Wesen, der Charakter und die heutigen „Einsatzmöglichkeiten“

Wer sich für einen Cardigan interessiert, wird aber sicherlich mehr über den Charakter und das Wesen wissen wollen, und sich nicht einen Hund der Farbe wegen aussuchen.
Überhaupt ist der Cardigan weniger etwas zum Repräsentieren, aber die Vermutungen der Mitmenschen, welche verschiedenen Rassen wohl in diesem seltsamen Hund stecken, sind schon sehr unterhaltsam.

Die meisten Freunde hat der Cardigan unter den Menschen, die einen Cardigan persönlich kennengelernt haben.
Wer bis dahin meinte, dass diese Hunde doch sonderbar aussehen, sieht sie dann auf einmal mit anderen Augen, die Cardigans selbst belehren sie leicht eines Besseren.

Cardigan-Welpe, blue merle with tan
Cardigan-Welpe, blue merle with tan
Zum Wesen des Cardigans ist im Rassestandard weniger zu finden, es heißt, der Cardigan ist wachsam, ausgeglichen, weder scheu noch aggressiv.
Dies sagt nicht soviel aus, es ist eben allgemein schwierig, das Wesen eines Hundes in Worte zu fassen.

Auf jeden Fall kann man sagen, dass der Cardigan nie nervös, hektisch oder schreckhaft ist.
Er ist sehr aufmerksam und an allem interessiert. Er mag keine Langeweile, die lässt er gar nicht erst aufkommen, und liebt die Abwechslung.
Das können gern ausgedehnte Spaziergänge sein, aber es reichen auch kleinere Runden, wenn ansonsten noch einiges passiert.
Ab und zu ist im Zusammenhang mit dem Cardigan von dem Begriff „Managertyp“ die Rede, was durchaus zutreffend ist.
Auch am Lernen kann der Cardigan viel Freude entwickeln.

Hundesport ist durchaus gut möglich, sehr geeignet ist z.B. Obedience.
Dort kann der Lerneifer und die Intelligenz des Cardigans gut genutzt werden.

Seine in der Regel bestehende tiefe Bindung zum Hundeführer bringt die notwendige Motivation mit sich und eine Überforderung durch zu hohe körperliche Anstrengungen besteht nicht.

Die enorme Beweglichkeit, Wendigkeit und Schnelligkeit beim Cardigan ist sehr beeindruckend, wer sie das erste Mal beim ausgelassenen Spiel beobachtet, ist meist sehr verwundert.
Jedoch sollte es selbstverständlich sein, dass ein Hund mit kurzen Beinen und langem Rücken nicht beim Hundesport über die höchsten Hürden springt.
Der Vorteil beim Obedience liegt auch darin, dass sehr positiv und mit viel Lob gearbeitet wird.
Cardigans freuen sich sehr, wenn sie mit dem Gelernten angeben können, sind manchmal aber auch arg anderweitig beschäftigt, so dass dann nicht jeder Befehl sofort befolgt werden kann ...

brindle
Cardigan, brindle
Allerdings heißt das nicht, dass der Cardigan viel kläfft. Etwas Ungewöhnliches, oder natürlich auch die Haustürklingel, wird meistens kurz und lautstark angezeigt.
Wenn der Hundehalter dann die Situation selbst souverän in der Hand hat, besteht für den Cardigan keine Notwendigkeit, weiter zu kläffen. Natürlich ist dies auch eine Sache der Erziehung.

Auch eine große Kinderfreundlichkeit wird den Cardigans nachgesagt.
Dafür spricht, dass der Cardigan nicht nervös reagiert, auch wenn es mal etwas lauter und wilder zugeht, wie es beim Zusammenleben mit Kindern eben vorkommt.
Gerade Cardigans, die in einer Familie mit kleinen Kindern aufwachsen, lieben „ihre“ Kinder sehr.

Natürlich gilt hier, wie auch bei allen anderen Lebensumständen, dass der Hund in seiner Jugend viele Möglichkeiten hat, all diese Gegebenheiten kennenzulernen.
Und kennenlernen sollte der Cardigan, besonders in seinem ersten Lebensjahr, sehr viel.
Ansonsten kann es natürlich auch beim Cardigan vorkommen, dass ihm etwas nicht geheuer ist. Das darf natürlich niemand merken, und ehe der Cardigan mit eingezogener Rute daherkommt, wird dann doch lieber ein lautes Gebelle angestimmt.

Der Cardigan braucht also eine liebevolle, konsequente Erziehung.
Liebevoll, weil er sonst auch ganz schön stur sein kann und konsequent, weil er bei Inkonsequenz auch sehr schnell lernt, dass man ja nicht immer gehorsam sein muss und der Cardigan auch gern bereit ist, eigene Entscheidungen zu treffen, wenn es sonst niemand übernimmt.

Möglichkeiten, den Cardigan zu seiner ursprünglichen Arbeit einzusetzen, bestehen in unserer heutigen Zeit kaum noch.
Aber seine guten Charaktereigenschaften machen den Cardigan zu einem angenehmen Familienhund und Begleiter.


© Susanne Mahler, 2009

Tricolour Cardigans with tan and brindle points
Tricolour Cardigans with tan and brindle points



Noch einige Beispiele für die Farbenvielfalt der Cardigan Welsh Corgis:

rot-weiß (red-white)
Cardigan, rot-weiß (red-white)
schwarz-weiß
Cardigan, schwarz-weiß
darkbrindle
Cardigan, darkbrindle
blue merle with tan
Cardigan, blue merle with tan
sable
Cardigan, sable (zobel)
tricolour with tan
Cardigan, tan pointed tricolour
brindle
Cardigan, brindle
brindle pointed tricolour
Cardigan, brindle pointed tricolour




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